Fika

Fika ist eines der wichtigsten Worte, die man als Ausländer in Schweden beherrschen sollte. Wenn Sie gefragt werden „Ska vi fika?“ bedeutet dieses nichts anderes, als das jemand mit Ihnen Kaffee trinken und eine kleine Leckerei dazu naschen möchte.

Aber Fika ist viel mehr als nur Kaffeetrinken mit Keks, Knäckebrot oder Kuchen. Fika ist eine schwedische Lebensphilosophie. Der spontane Besuch beim Nachbarn beinhaltet immer eine Einladung zum Fika, egal zu welcher Tageszeit. Auch abends vor dem Schlafengehen wird ohne Angst vor Schlafstörungen gerne gefikert.
Im Arbeitsleben spielt Fika ebenfalls eine große Rolle. Morgens um zehn und nachmittags um drei Uhr macht Schweden Fikapause. Ohne Ausnahme, in den Notaufnahmen der Krankenhäuser gilt das gleiche Recht für alle und auf der Agenda einer Tagesplanung hat die Fikapause immer ihren festen Platz. Fika ist der Zeitpunkt des Tages, wo alle Kollegen zusammenkommen und sich austauschen. Smalltalk aber auch dienstliche Belange werden diskutiert. Fehlt jemand in der Fikapause, macht sich der eine oder andere Gedanken um das Wohlbefinden des Kollegen.
Fika ist auch der Helfer in der Not. Wenn man nicht mehr weiter weiß, das Projekt an die Wand gefahren und keine Lösung in Sicht ist: Ein Kaffee in gemütlicher Runde und eine kleine Leckerei macht das Leben wieder einfacher.
Wundern Sie sich also in Zukunft nicht mehr, wenn das Geschäftsleben langsamer geht. Es ist Fika. Und Fika ist einmalig schwedisch.
Hinweis:
Der pro Kopf Verbrauch von Kaffee liegt bei neun Kilogramm pro Jahr, damit liegen die Schweden nach den Finnen auf Platz zwei in Europa. In Deutschland werden sechs Kilogramm Kaffee pro Kopf getrunken.

©Kirsten Stelling