Luciatag – von Engeln erweckt

Lucia (Foto:Kent Norbe

Lucia (Foto:Kent Norbe

Irgendwann Ende der Achtziger. Drei Wochen Wintererprobung vor Weihnachten liegen hinter uns. Alle sind in guter Stimmung, es ist der Vorabend zur Heimfahrt. Wir sind ziemlich die Einzigen noch im Hotel. Nach Tradition werden die angebrochenen Reste vertilgt, das gilt für Kekse genauso wie für Flüssigkeiten. Automatismus eben.

Nun wissen die Insider, dass auch in Arjeplog am 13. Dezember Santa Lucia gefeiert wird. Es ziehen weiß gekleidete Mädchen und Jungen mit Kerzen singend von Haus zu Haus. Ein Mädchen hat eine Kerzenkrone auf.

Heimfahrtag ist am 13., unsere schwedischen Freunde möchten uns noch eine Freude bereiten und vor der Heimfahrt eine Lucia präsentieren. So ziehen rund zehn oder fünfzehn junge Menschen, weiß gekleidet mit Kerzen in den gefalteten Händen im Hotel nach dem Frühstück von Zimmer zu Zimmer. Klopfen zaghaft an, kommen ins Zimmer und singen ihr Lied, wünschen frohe Tage, gute Heimreise. Die packenden oder fast reisefertigen Gäste lauschen teils ergriffen – es strömt am frühen Morgen Weihnachtsstimmung durch die Zimmer. Bis auf eines, das letzte Zimmer am Ende des Ganges, beherbergt einen Bewohner der noch mit der am Vorabend erworbenen Bewusstlosigkeit im Tiefschlaf zu Bette liegt. Auch er öffnet nach geraumer Zeit die Türe, legt sich aber aufgrund kleiner Koordinationsschwächen gleich wieder ins Bett. So stellen sich die Lucias vor sein Bett und beginnen zu singen.
Ein bestialischer Schrei stoppt die Szene im Kerzenlicht abrupt. Er sitzt mit großen Augen zitternd und aschfahl im Bett. Verbale Ausbrüche treffen auf ungläubige Kinderaugen. Ausraster erster Güte. Von null auf hundert in zwei Sekunden. Panik in den Augen und Zittern beherrscht den ganzen Körper. Kollegen eilen ob des Tumultes herbei und möchten die Situation irgendwie einordnen und retten, die Kinder schützen.
Irgendwann wird uns klar: Er wähnt sich im Himmel.

Von Jürgen Zechmann nach einer Erinnerung von Gebhard. Danke Gebhard!